Ursula—Das bin ich. Na und?

Ursula—Das bin ich. Na und?

28. März 2023

Ausstellung im Museum Ludwig

18. März – 23. Juli 2023

Ur­su­la (Schultze-Bluhm), ge­boren 1921 in Mit­ten­walde und ver­s­tor­ben 1999 in Köln, zählt zu den be­deu­ten­den deutschen Kün­st­lerin­nen der zweit­en Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Mit der Ausstel­lung Ur­su­la—­Das bin Ich. Na und? wid­met ihr das Mu­se­um Lud­wig nach über 30 Jahren die er­ste um­fassende Mu­se­um­sausstel­lung und er­möglicht damit eine Neu­be­trach­tung ihr­er Ar­beit. Gezeigt wer­den 236 Ar­beit­en, davon stam­men 44 aus der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig.

Ur­su­las Leben und Werk bi­etet eine al­ter­na­tive Erzäh­lung kün­st­lerisch­er Un­ab­hängigkeit. Die Th­ese, dass Sur­re­al­is­mus kein Stil sei, son­dern eine Geis­te­shal­tung, zeigt sich an­schaulich in ihren Ar­beit­en. In ih­nen un­ter­gräbt sie die Re­al­ität und fin­d­et das Un­heim­liche im Alltäglichen. Sie fordert Au­toritäten der Ge­sellschaft und Kunst her­aus, in­dem sie neue Wel­ten ersin­nt, in de­nen alte Hi­erarchien über Bord ge­wor­fen wer­den und neue Leben­sweisen vorstell­bar sind. Diese utopische Vorstel­lungskraft teilt Ur­su­la mit Kün­st­lerin­nen wie Leono­ra Car­ring­ton, Leonor Fi­ni, Dorothea Tan­n­ing und Uni­ca Zürn.

Ur­su­las Werke ver­weigern sich in ihrem We­sen der ein­deuti­gen Kat­e­gorisierung. Be­griffe wie Naive Malerei, Sur­re­al­is­mus oder In­di­vi­du­elle Mytholo­gie streifen besten­falls einzelne As­pekte ihr­er ei­gen­wil­li­gen Bilderfin­d­un­gen, die stets eine in­ten­sive sinn­liche Er­fahrung ver­mit­teln. Bere­its 1954 in­te­gri­ert Jean Dubuf­fet Werke von ihr in sein Musée de l’Art Brut. Wie auch An­dré Bre­ton schätzte Dubuf­fet den un­kon­ven­tionellen Erzähl­stil von Ur­su­las Tex­ten und Bildern, die – zu­min­d­est auf den er­sten Blick – außer­halb der Zeit zu ste­hen schei­nen. Häu­fig weisen sie mythol­o­gische Bezüge auf, spiegeln dabei je­doch zumeist ei­gene Befind­lichkeit­en, Äng­ste und Ob­ses­sio­nen. „Ich zwinge meine Vi­sio­nen der Re­al­ität auf – ich bin ganz ar­ti­fiziel­l“, charak­terisierte Ur­su­la selbst ihre ungewöhn­lichen Par­al­lel­wel­ten. Hi­er ex­istieren ex­tra­v­a­gante Ges­tal­ten, oft ist das Heim­liche und Un­heim­liche spür­bar. Schön­heit und Vergänglichkeit, das Feen­hafte und das Mon­ströse gedei­hen in un­mit­tel­bar­er Nach­barschaft. Ein bezeich­nen­des Leit­mo­tiv Ur­su­las war Pan­do­ra, jene in der griechischen Mytholo­gie aus Lehm geschaf­fene Frau, in deren Geschichte sch­limm­ste Übel und vorzügliche Gaben un­trenn­bar ver­woben sind. Häu­fig bevölk­ern fan­tastische Misch­we­sen Ur­su­las Szene­rien, al­len­thal­ben ist ihre Fasz­i­na­tion für Trans­for­ma­tion greif­bar, hin­ter­fra­gen ihre Ar­beit­en einge­fahrene Du­al­is­men wie Frau/Mann oder Men­sch/Na­tur.

Ur­su­las faszinieren­des und selb­st­be­wusstes Werk ein­er jun­gen Gen­er­a­tion von Mu­se­umsbe­such­er*in­nen zu er­sch­ließen, ist An­lie­gen der Über­blick­sausstel­lung im Mu­se­um Lud­wig. Sie zeigt, dass Ur­su­las Ar­beit­en ger­ade in ihr­er In­di­vi­d­u­al­ität viel­fach grundle­gende und ge­gen­wärtige The­men berühren, sei es wei­bliche Selb­stbes­tim­mung, das In­fragestellen fes­ter Gesch­lecht­si­den­titäten oder eine Sicht auf Welt, in der alles mit allem ver­bun­den ist und sich ge­gen­seitig be­d­ingt.

https://www.museum-ludwig.de/de/ausstellungen/ursula-das-bin-ich-na-und.html

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